Der angekettete Elefant

Verzweiflung zerfrisst uns Menschen. Es ist Nihilismus, in Verzweiflung zu geraten und angesichts der Probleme, die wir haben, einen Burnout zu verspüren.

Kennst du die Geschichte von dem riesigen Elefant, der sich nicht von einem kleinen Pflock losreißen kann?

Dabei sollte es für dieses gewaltige Tier doch ein leichtes sein. Nicht nur im Tierreich, sondern auch bei uns Menschen, kommt es jedoch oft mehr auf die mentale Stärke an.

Ich habe von einer anderen traurigen Geschichte zum ersten Mal erfahren, als ich vor einigen Jahren einen Dokumentarfilm über Elefanten in Gefangenschaft sah. Die tonnenschweren Dickhäuter werden an einem kleinen Pfahl angekettet, den sie eigentlich problemlos aus der Erde ziehen könnten.

Dennoch geben sie sich ihrem Schicksal hin, tragen Touristen auf ihrem Rücken umher und reißen Bäume aus dem Boden. Warum ist das so?

Bereits als Baby wurde der Elefant entweder im Zirkus oder als Arbeitstier angebunden. Als kleiner, schwacher Elefant hat er pausenlos erfolglos versucht, sich zu befreien. Es blieben jedoch nur schmerzhafte Erinnerungen an die Kette, die sich tief in die Haut bohrte. Dem jungen Dickhäuter blieb also nichts anderes übrig, als weiter kleine Kreise um den Pfahl zu drehen.

Einige Jahre später ist der Dickhäuter nun zu einem wahren Giganten herangewachsen, der sich aufgrund seiner immensen Kraft problemlos aus der Gefangenschaft befreien könnte. Leider hindern ihn seine schmerzhaften Erinnerungen und die vielen fehlgeschlagenen Versuche daran, es erneut zu probieren. Er gibt sich also seinem Schicksal hin und führt weiterhin sein trauriges Dasein, angekettet an einen vermeintlich unüberwindbaren Pfahl.

Fühlst du dich auch manchmal wie der Elefant, der trotz seiner enormen Stärke an einem kleinen Pflock gefesselt ist?

So oft kommt es im Leben vor allem auf die mentale Stärke an. Wie der Elefant, sind wir konditioniert, halten viel zu oft an alten Gewohnheiten fest oder geben zu schnell auf, wenn wir in der Vergangenheit mit etwas gescheitert sind.

Wie den Elefanten halten uns fehlgeschlagene Versuche davon ab, etwas erneut zu versuchen. Aber genauso wie der Elefant haben wir weitaus mehr Kraft, als uns bewusst ist. Alles was wir brauchen, um uns von der Kette loszureißen, ist Willenskraft und etwas Mut, es erneut zu probieren.

Die oft unbewusste Entscheidung, uns von einer Gewohnheit oder einer gesellschaftlichen Norm leiten zu lassen, führt dazu, dass wir unser Potenzial nicht ausschöpfen. Vielmehr noch, es führt dazu, dass wir uns mit Situationen zufriedengeben, die eigentlich nicht zufriedenstellend sind.

Geschichte von Jorge Bucay

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